zuletzt aktualisiert am: 05. Sept. 2017

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 GOTAN  PROJECT
 Künstler 
 Gotan ProjectDie Rückkehr der vierten Revolution des Tangos - mit Tango 3.0!

GOTAN PROJECT
Tango 3.0

Es war im vergangenen Jahrhundert. Im Januar 1999 nahmen Gotan Project ihre Rück-
kehr in die Zukunft in Angriff. Die Zukunft des Tangos, der damals in den sauber aufgeräumten Schubladen der verbleichten Sitten und Gebräuche sein Dasein fristete.
Verstaubte Vergangenheit? Das war einmal. Erneuerung will gemacht sein. 2001 setzt sich „La revancha del tango“ auf den dance floors durch und damit ein neuer sound. Ein Markenzeichen, oft kopiert und nie erreicht. Der Erfolg der CD wird auf der Bühne zum Triumph. So sehr, dass das Trio 2006 die Fortsetzung vorlegt, „Lunático“, eine ausdrückliche Hommage an Carlos Gardel, aber auch an alle anderen Helden des Tangos, natürlich einschließlich Astor Piazzollas.

Januar 2009 ... Zehn Jahre später, in einem neuen Millenium, gehen Gotan Project wieder ins Studio, und bleiben ihren Gründungswerten treu: gegen alle Gebote des Tangos zu verstossen, um ihn genau dadurch in neue Sphären zu erheben. Was da entsteht ist „Tango 3.0“, ein Titel, der viel über den Anspruch sagt . Diese große Leinwand, die Kreuzungen aller Genres verwebt, bietet selber noch viel Raum für klangliche Experimente.

Dieses Mal haben Eduardo Makaroff, Philippe Cohen Solal und Christoph H. Müller die entgegen gesetzte Methode gewählt : „Von anderswo aufbrechen, um zum Tango zurückzukehren.“

Tango und Cumbia, Ska und Marcha, Country und Milonga, Groove und Chacarera, Dirty sound und Tango – die unwahrscheinlichsten Hybriden sind möglich. Vor allen anderen aber hat der Blues „Tango 3.0“ seine Farbe geliehen.

Und das bereits im sinnbildlichen Eröffnungsstück „Tango Square“, ein expliziter Bezug auf den Congo Square in New Orleans. Die Verbindung wird offensichtlich durch den hypnotischen Klang der Hammond B3 von Dr. John, dem großen Hexenmeister der Tasten, und dem Swing einer fetten Bläsergruppe. Die Blechblasinstrumente, sonst seltene Gäste beim Tango, nehmen übrigens einen bevorzugten Platz bei „Tango 3.0“ ein und erinnern so daran, dass die Klarinette beim ersten Aufscheinen dieser Musik – Welt beteiligt war.
Dort, wo der Spaßvogel Melingo in „Tu misterio“ einen engen, fast schon mit sich selbst verklebten Slow zelebriert. Der charmante „Rocker“ ist nicht die einzige Stimme, die zu diesem Fest der Klänge geladen wurde. Da ist der Schriftsteller Julio Cortázar, eine Stimme von jenseits des Grabes, der eine Passage aus seinem epochalen Werk „Rayuela“ (Himmel und Hölle) zitiert. Spielerische Worte für eine philosophische Parabel rund um dieses Kinderspiel.

Ein anderer Poet, der ebenso surrealistische Victor Hugo Morales, brüllt auf „La Gloria“, einer Hymne aus dem Fussballstadion!
Der Nummer Eins Fußballreporter stürzt sich in eine Improvisation, in der seine Stimme zwischen den Musikern des Gotan Projects umher dribbelt, vorbei am Bandoneonisten Nini Flores, weiter auf die Violinistin Line Krause, zurück auf den Pianisten und Arrangeur Gustavo Beytelmann, die Säulen des Projekts, und dann:
„GOOOO (L) (Tor) GOOOOOOTAN!“
- mit einer gesunden Portion Selbstironie.

Kein Zweifel, „Tango 3.0“ dehnt das Spielfeld noch weiter aus: die Erneuerung des Tango, von allen Seiten und auf die Gefahr hin, die Grenzen zu überschreiten, ohne aber jemals
zu versuchen, die endgültige Definition zu finden, immer von diesem zarten Parfum der Zweideutigkeit umgeben. In dem sie gleichzeitig Songs im Pop Format und klug orchestrierte
Instrumentalstücke schaffen sprengen Gotan Project das Korsett, in das sie manche stecken wollten. Auch wenn Elektronik und Tango mehr denn je die bestimmenden Elemente sind ist es doch kurzsichtig, Gotan Project auf diese Formel zu reduzieren.

Heute wie gestern geht es vor allem darum, Geschichten zu erzählen. Die ewigen Geschichten des imaginären Tango, von schneidenden Allegorien verstörte Liebesgeschichten, „filmische“ Reitergschichten, die nach der Seele des Gauchos rufen ....

Und darüber hinaus nach der Seele eines ganzen Landes, Argentiniens. Die resignierte Version, wenn Cristina Vilallonga „Desilusión“ (zer)singt, die Desilusion, die dem crash 2001 folgte, als ein Drittel der Bevölkerung unter die Armutsgrenze stürzte. Eine tragische Vision einer Welt, der unseren, deren Stimme durch ein Megaphon gleitet, über die düstersten Minimal Beats, um über die „Mil Millones“ der Hungernden zu klagen, die den Planeten bevölkern, ein Zitat des illustren Tangokomponisten Enrique Santos Discépolo. Schließlich verbreitet sich Melancholie mit der Melodie, die am Ende dieses neuen Albums steht: „Érase una vez“ ... „Es war einmal“ : das Argentinien des Goldenen Zeitalters, das El Dorado aller Exilanten, der Melting Pot, aus dem eines Tages der soundtrack mit den Grossbuchstaben entstehen sollte:
TANGO.
 
 
 Konzerte 
 12.11.2010 Potsdam, Nikolaisaal 
 
 Offizielle Website 
 www.gotanproject.com 
 
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