zuletzt aktualisiert am: 05. Sept. 2017

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 BIBI  TANGA
 Künstler 
 Bibi TangaBIBI TANGA

Man trifft ihn oft auf einer Terrasse im 11. Bezirk von Paris, wo er noch schnell einen schwarzen Kaffee trinkt, bevor er, Gitarre auf den Rücken geschnallt, zu einer Probe oder einer Studioaufnahme verschwindet. Der Wahlpariser Bibi Tanga, der auf seine Schnodderigkeit genauso stolz ist wie auf seine Straßenjungen-Schiebermütze, trägt seine Heimat Afrika im Herzen. Sobald es ihm sein Terminkalender gestattet, springt er in ein Flugzeug „so, wie man in eine Zeitmaschine steigt“, um auf dem Kontinent seiner Vorfahren zu landen. Bei einem Interview 2012 schwärmte er von seiner Liebe und seiner Verbundenheit mit dem Land, in dem er geboren wurde: „Man sagt von Bangui, dass es die Gartenstadt ist; die Kolonisten nannten sie „Bangui die Kokette“ Es ist eine Stadt voller Wald, das Grün ist überall, rundherum, mittendrin ... Der Fluss Oubangui, der durch die Stadt fließt, ist sehr sauber, man kann die Fische daraus ohne jegliche Bedenken essen. Aber was ich am meisten schätze, ist der friedliche Umgangston der Leute: Man redet an einer Straßenecke über Gott und die Welt und trinkt Tee dabei, und das kann schon mal bis ein Uhr morgens gehen.“

Diese Beschreibung einer Stadt voll unglaublichem Charme steht in harschem Kontrast zu den Bildern, die die internationalen Medien seit 2013 verbreiten. Bangui gehört sich nicht mehr selber: die Barbaren schwingen in der einen Hand heilige Bücher und in der anderen Maschinengewehre und terrorisieren damit die populären Stadtviertel, die Auspufftöpfe der französischen Panzer besudeln die Wasser des Oubangui.

„Jetzt weiß plötzlich jeder, wo genau die Zentralafrikanische Republik liegt, wo doch vor kurzem die meisten Leute noch nicht einmal etwas über die Existenz dieses Landes wussten.
Es ist schade, dass man jetzt aus den falschen Gründen darüber redet. Das Land hat 40 Jahre politischer Instabilität hinter sich, aber wir sind trotzdem ein fröhliches Volk geblieben. Diese Kraft, diese Lebenslust, versucht man uns derzeit zu rauben. Probleme zwischen Christen und Muslimen, das hat es bei uns nie gegeben. Die Diaspora und alle Zentralafrikaner müssen ihrer Verantwortung im Zusammenhang mit dieser Krise gerecht werden“.

Man hört das Echo der Maschinengewehre sogar in der Musik von Bibi Tanga, zum Beispiel über dem Afrobeat von „Ngombe“, eines der herausragenden Stücke auf diesem Album.
Unter den 17 neuen Songs (von denen 3 nur digital verfügbar sind) ermutigen 5 auf Sango geschriebene Texte seine Brüder, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Er kehrt zurück zu traditionellen und modernen afrikanischen Rhythmen, einem kongolesischen Ndombolo („Ala ZaIo“), und er bastelt an einer modernen Version des Montenguéné, der in der Region Lobaye im Südosten des Landes beheimatet ist („Ngombe“).

Auch wenn Afrika vom ersten Tag an in seiner musikalischen DNA verwurzelt ist, hat doch Amerika seinen Groove bestimmt. Der Soul eines Curtis Mayfield oder eines Sly Stone bestimmt seine Kompositionen seit 5 Alben. Auf „Now“ covered er „Who’s Gonna Be Your Man“ und erweckt damit eine der magischen Stimmen seiner Kindheit, Ella Jenkins, zu neuem Leben. Als er ein kleiner Junge war, hatten seine Eltern die Angewohnheit, jeden morgen eine ihrer Schallplatten abzuspielen. Das ganze Haus erwachte zum Klang dieser Negro Spirituals, und wie alle seine Brüder und Schwestern konnte Bibi den Text von „Who’s Gonna Be Your Man“ auswendig, bevor er lesen konnte. Hier zeigt er uns eine schnelle, berauschende Version, die Perkussion mit einer Cajun Gitarre vermischt.

Aber während sein vorheriges Album „40° of Sunshine“ sich als sein „amerikanischstes Werk“ herausstellen sollte, ist „Now“ sein „britischstes“. Die Energie der Specials, von Police oder The Beat inspirierten ihn zu „Who Can We Trust“, und der Reggae zu „Calling“. Bibi erklärt: „The Cure sind für mich Weiße, die Funk spielen. Daraus ergibt sich New Wave, das bricht in die Ferne auf, das ist es, was mir gefällt. Ich habe meine ganze Liebe zur englischen Musik in dieses Album gesteckt.“ Er flirtet sogar mit dem Brit Rock in „Love Can Bring You Pain“, wo das Tempo vom exzellenten afrikanischen Schlagzeuger Mike Dibo vorangetrieben wird.

Um diesen raueren und gleichzeitig feineren englischen Groove zu erreichen, hat Bibi seine Band verkleinert. Von den Selenites, die ihn auf den 2 vorangegangenen Alben begleiteten, ist nur noch der Gitarrist Rico Kerridge mit dabei. Stéphane Lenavelan übernahm die keyboards, und der bereits erwähnte Mike Dibo das Schlagzeug. Als Gäste blasen die Horn Dogz seinen Stücken das Feuer ein.

Ab Frühjahr 2014 wird Bibi Tanga, begleitet nur von seinen oben genannten 3 Musikern, auf den Bühnen stehen. Das ist für den Autor, Komponisten und Interpreten, der immer auf der Suche nach der Freiheit ist, eine Herausforderung. „Wir haben viel Spaß dabei gehabt, dieses Album alleine, nur unter uns, spontan, zu machen. Ich wollte unbedingt die instinktive, unmittelbare Seite der Musik wiederfinden. In der Vergangenheit habe ich sie manchmal mit Arrangements überladen. Auf „Now“ ertrinkt die Stimme nicht mehr in einem großen Tohuwabu, wir machen wieder Songs. Ich habe mich auf die Worte konzentriert, es gibt da engagierte Worte, die sich an heiter ausgelassene Melodien anschmiegen. Ich denke, man kann große Kämpfe ausfechten und dabei das Lächeln erhalten.“


Biografie:
Bibi Tanga wurde in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend auf Reisen mit seinem Vater, der im diplomatischen Dienst tätig war. Er wohnte zunächst in Russland, dann in den USA und dann in Belgien, aber erst in Frankreich brachte er im Jahr 2000 sein erstes Album heraus: „Le Vent qui Souffle“, produziert von Emilie Pianta und der „Malka Family“. Schon auf diesem ersten Werk verschafft das musikalische Zusammenspiel dreier Kontinente (Afrika, Amerika und Europa)
seinem Groove einen originellen Klang.
2003 trifft Bibi Tanga den „Professeur Inlassable“, den Studiohexer und Elektrobastler, mit dem er 2007 „Yellow Gauze“ herausbringt. Die beiden gründen zusammen „The Selenites“ und finden damit auf ihren beiden folgenden Alben („Dunya“ 2010 und „40° of Sunshine“ 2012) eine geradezu himmlische Balance für ihre Soul-Funk Ambitionen.
Sie spielen Konzerte in Europa, Indien und Afrika. Sein fünftes Werk „Now“ ist Bibi Tangas erstes wirklich selbst produziertes. Seit 3 Jahren ist Bibi Tanga außerdem der Musik Berichterstatter für das Fernsehprogramm „+ D’Afrique“ auf Canal +, das von Robert Brazza moderiert wird.
 
 
 Konzerte 
 04.08.2014 Würzburg, Hafensommer 
 
 Offizielle Website 
 www.bibitanga.fr 
 
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